Vor 75 Jahren, März 1946 – Große Hoffnungen der Überlebenden des Nazi-Terrors in Bayern

6. März 2021

Der März 1946 war ein wichtiger Monat für all die Menschen, die Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrationslager der Nazis überlebt hatten:

Im überfüllten Münchner Zirkus Krone hatten sich Verfolgte und Angehörige von Opfern am 10. März zu einer „antifaschistischen Kundgebung“ am „Tag der Opfer des Faschismus“ zusammengefunden. Redner der Parteien SPD, KPD, CSU und der „rassisch Verfolgten“, der Gewerkschaften, Ministerpräsident Högner und der Münchner Oberbürgermeister Scharnagl zeigten sich entschlossen zum Aufbau eines neuen, freien, gerechten und friedlichen Deutschland.

Weiter gab es in diesem Monat

> das lang erwartete „Gesetz gegen Nationalsozialismus und Militarismus“, das sog. „Säuberunggsgesetz“,

> das „Gesetz Nr. 14 – Gegen Rassenwahn und Völkerhaß“,

> die 1. Sitzung des Vorbereitenden Verfassungsausschusses für eine neue Bayerische Verfassung.

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Gedenken der Traunsteiner VVN-BdA zum Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz

30. Januar 2021

Am Mittwoch, 27. Januar, jährte sich zum 76. mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten. Sie fanden damals nur noch wenige Überlebende vor.

Dieser 27. Januar wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Die VVN-BdA nahm diesen Tag zum Anlass, an alle Opfergruppen mit einer stillen Mahnwache am Stadtplatz in Traunstein zu erinnern: Dem Terror der Nazis fielen Juden, Sinti und Roma, ZwangsarbeiterInnen, Homosexuelle, Behinderte und Kranke, Kriegsgefangene, politische Gegner, als „Asozial“ Verfolgte, Verurteilte der Militärjustiz und Zivilisten der besetzten Länder zum Opfer. Ins Gedenken eingeschlossen wurden auch das erste Opfer der Nazis in Traunstein, der damalige KPD-Stadtrat Hans Braxenthaler, die neun Angehörigen der jüdischen Familie Holzer, die im Holocaust ermordet wurden, der 1943 in Stadelheim hingerichtete damalige Leiter des Wirtschaftsamtes, Karl Biack, sowie die über 60 Ermordeten des Todesmarsches nach Surberg Anfang Mai 1945.

Mit dem Transparent „Menschlichkeit statt Rassismus“ erinnerten VVN-Mitglieder auch an die Verpflichtung für heute. Dazu gehört das konsequente Vorgehen gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus. Darüber hinaus forderten VVN-Mitglieder auf Schildern auch die sofortige Aufnahme von Geflüchteten, die unter unmenschlichen Bedingungen in bosnisch-kroatischen Lagern oder auf der Insel Lesbos untergebracht sind. (F.M., Foto: D. Lebert)

Appell an Regierung: Geflüchtete jetzt in Bayern aufnehmen

9. Januar 2021

In einem Appell zum Jahresbeginn wendet sich der Landesverband Bayern der VVN-BdA an die Bayerische Regierung und die politisch Verantwortlichen und fordert ein deutlicheres Engagement für Flüchtlinge auf der Insel Lesbos. Gerade jetzt im Winter sind die Zustände in den dortigen Lagern menschenunwürdig. Bayern solle sich beim Bund für die Aufnahme von mehr Geflüchteten stark machen. Gleichzeitig wird ein sofortiger Stopp der Abschiebungen in ungesicherte „Heimatländer“ gefordert.

Wortlaut der Presseerklärung siehe

Karl Biack (1900 – 1944) – Opfer des Nationalsozialismus

17. Dezember 2020

Der Salzburger Jurist Dr. Karl Biack wurde 1943 als Leiter des Wirtschaftsamtes Traunstein eingesetzt, im März 1944 an seinem Arbeitsplatz verhaftet, als Gegner des NS-Staates vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und im November 1944 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet.

Heinz Biack, Sohn von Dr. Karl Biack, hielt im Mai 2019 die Ansprache bei der Gedenkfeier der VVN-BdA Traunstein im KZ-Friedhof Surtal. Die damals vorgetragene Lebensgeschichte seines Vaters hat Heinz Biack aufgrund neuer Dokumente für diese Darstellung um einige Aspekte erweitert.

Nein zum Krieg der Nazis aus christlicher Überzeugung

7. Oktober 2020

Ein Besuch im österreichischen St. Radegund nahe Tittmoning, der Heimat des Kriegsverweigerers Franz Jägerstätter (1907-1943)

Mitglieder der Traunsteiner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen hatten sich Anfang Oktober auf den Weg gemacht, um mehr über das Leben dieses engagierten Christen zu erfahren, der den Krieg der Nazis nicht mitmachen wollte und dafür mit dem Leben bezahlte.

Franz Jägerstätter (F: Erna Putz)

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Lagergemeinschaft Dachau mahnt angesichts des Flüchtlingselends: Erinnern und Handeln !

17. September 2020

In einer Erklärung fordert die Lagergemeinschaft Dachau e.V. angesichts der katastrophalen Situation im Lager Moria in Griechenland die unverzügliche Aufnahme von Tausenden von Geflüchteten in Deutschland. Das gebiete die Erinnerung an den Nationalsozialismus. In der Erklärung heißt es ua.:

Nie wieder!
Nie wieder sollen Menschen daran gehindert werden, Schutz und Sicherheit zu erlangen.
Nie wieder sollen sie in Elend, Terror und in Krieg abgeschoben, zurückgedrängt werden.
Schutz und Sicherheit, persönliche Entfaltung, das Recht, „Rechte zu haben“, wie es die vor den Nazis
geflohene jüdische Philosophin Hannah Arendt postuliert hat, sollen Geltung haben
.

Zum Wortlaut der Erklärung siehe

NS-Verfolgter Salec Beldengruen verstorben

1. September 2020

Auf einen Todesmarsch getrieben – in Waging befreit

Salec Beldengruen (Foto F.M)

Ende August 2020 verstarb in seinem Wohnort nahe Tel Aviv mit 92 Jahren der jüdische NS-Verfolgte Salec Beldengruen, der den Todesmarsch von KZ-Häftlingen kurz vor Kriegsende 1945 durch den Landkreis Traunstein mitmachen musste und in Waging befreit wurde. Er ist später immer wieder nach Waging zurückgekommen und hat auch mehrmals an den Gedenkfeiern der VVN-BdA im KZ-Friedhof Surberg teilgenommen; 2009 hielt er dort eine bewegende Ansprache (nachzulesen in „Gedenkfeiern gegen das Vergessen. Der KZ-Friedhof in Surberg, Waging, Liliom-Verlag 2015).

Genaueres zur Lebensgeschichte siehe

Carl Ostermayer, ehemaliger KZ-Häftling, erzählt aus seinem Leben

22. August 2020

Er war mit 18 Jahren der jüngste Häftling aus Traunstein, der 1933 ins Konzentrationslager Dachau verfrachtet wurde: Carl Ostermayer (1915-2004). Zweieinhalb qualvolle Jahre war er eingesperrt, zweieinhalb Jahre, die seine Sicht auf die Welt geprägt und ihn politisch denken gelernt haben.

Später, nach Kriegsende, als er sich eine Existenz als Fotograf in Seebruck aufbaute und dann jahrzehntelang als begeisterter Archäologe zu großem Ansehen gelangte, hat er lange nicht mehr über diese Zeit im KZ Dachau gesprochen. Anfang der 1990er Jahre trat Carl Ostermayer der Traunsteiner Kreisvereinigung der VVN-BdA bei und begann nun immer häufiger, von seinen Erlebnissen in der Nazi-Zeit zu erzählen.

Diese Erinneungen hat Markus Müller noch im letzten Lebensjahr von Carl Ostermayer aufzeichnen können und daraus ein knapp 100seitiges Buch gemacht, das die Leidenszeit im Konzentrationslager in den Mittelpunkt stellt, aber auch Raum bietet für Ostermayers gesamte, aufregende Lebensgeschichte.

Carl Ostermayer: Im Konzentrationslager Dachau von 1933 bis 1936 – von ihm selbst erzählt. Aufgeschrieben von Markus Müller, Liliom Verlag Waging 2020, 10.- €

Das Buch ist beim Verlag oder in allen Buchhandlungen bestellbar

Weitere Infos siehe Im-Konzentrationslager-Dachau-von-1933-bis-1936-9783966060097 (liliomverlag.de)

Mahnwache am 6. August, 18 – 19 Uhr, Stadtplatz Traunstein

4. August 2020

Atombombenabwurf vor 75 Jahren – Hiroshima mahnt: Alle Atomwaffen abschaffen!

Als um 8.15 Uhr des 6. August 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima von den amerikanischen Piloten die Atombombe abgeworfen wurde, dauerte es nur eine knappe Minute, bis sie explodierte und auf einen Schlag 80000 Menschen verbrannten; zehntausende starben in den nächsten Tagen. Am 9. August erfolgte der zweite Atombombenabwurf auf die Stadt Nagasaki mit der gleichen unfassbaren Wirkung. Noch jahrzehntelang litten und starben Menschen an den Spätfolgen der Verstrahlung.

Damit war der Zweite Weltkrieg nach der Kapitulation Japans auch im fernen Osten endgültig zu Ende. Die Welt war erstarrt angesichts der neuen furchtbaren Waffe und hoffte darauf, dass sie nie mehr zum Einsatz kommen würde.

Tatsächlich aber war es der Beginn eines ungeheuren Rüstungswettlaufs im Kalten Krieg zwischen Ost und West, der neue Atommächte auf den Plan rief. Der Atomwaffensperrvertrag von 1968 sollte die Weiterverbreitung stoppen, verhinderte aber nicht die Anhäufung atomarer Waffen, welche die Menschheit mehrfach vernichten kann. Atomraketen wurden Teil militärischer Pläne zur „Ab-schreckung“ oder auch für einen „atomaren Erstschlag“.

Atomare Rüstung – bis heute eine ungeheure Bedrohung für die Menschheit

Den Vertrag der Vereinten Nationen (UN) aus dem Jahr 2017 über das grundsätzliche Verbot von Herstellung, Lagerung, Stationierung und Einsatz von Atomwaffen haben bisher knapp hundert Staaten unterzeichnet, nicht jedoch die neun Atommächte und die NATO-Staaten, also auch nicht die Bundesrepublik.

Die Entwicklung neuer zielgenauer Atomwaffen angesichts der vielen internationalen Spannungen ist besorgniserregend. Auch in der Bundesrepublik lagern Atomwaffen – im Rahmen der NATO – und überdies gibt es Bestrebungen, neue atomwaffentaugliche Flugzeuge für die Bundeswehr anzuschaffen.

Die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki bleibt aktuell

Der Kreisverband Traunstein der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen, 1946 von Überlebenden des Naziterrors gegründet und dem Engagement gegen Faschismus und Krieg verpflichtet, erinnert mit der Mahnwache zum heutigen 75. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima an die damaligen Opfer und die damit verbundene Mahnung für heute:

Setzen wir uns ein (z.B. durch Schreiben an die für den Landkreis Traunstein zuständigen Bundestagsabgeordneten) für

  • die weltweite Ächtung aller Atomwaffen
  • den Beitritt der Bundesrepublik zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag
  • den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland
  • den Verzicht auf atomwaffentaugliche Flugzeuge der Bundeswehr

Gedenktafeln zum NS-Terror vor dem Gefängnis Stadelheim enthüllt

30. Juli 2020

Nach langer Vorbereitung war es endlich am 24. Juli soweit: Vor dem Eingang zum Gefängnis Stadelheim in München wurden drei Gedenktafeln enthüllt, welche an das furchtbare Geschehen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. Damit gibt es nun neben einem – schwer zugänglichen – Gedenkraum im Inneren der Anstalt erstmals einen öffentlich gut sichtbaren Ort.

In einer kleinen Feierstunde hatten zuvor der Leiter der JVA Michael Stumpf und der bayerische Justizminister Georg Eisenreich in Anwesenheit von Angehörigen ehemaliger Verfolgter auf die Bedeutung Stadelheims als Teil des NS-Verfolgungsapparats und als zentrale Hinrichtungsstätte des süddeutschen Raums hingewiesen und betont, wie wichtig solch öffentlich sichtbares Gedenken für die Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus heute ist. Michael Stumpf war es ein besonderes Anliegen, dieses Gedenken noch im 75. Jahr nach der Befreiung zu realisieren; die großen Eisenplatten mit den Texttafeln wurden in den eigenen Häftlingswerkstätten gefertigt.

Wesentlich angeregt wurde dieses Projekt durch den vor einem Jahr verstorbenen Historiker Jürgen Zarusky, der mit seinen Untersuchungen zur Justiz der NS-Zeit wichtige Grundlagen geschaffen hatte. Neben Barbara Hutzelmann vom Münchner Stadtarchiv engagierte sich besonders Heidi Delbeck von der „Regionalgruppe Süd“ der „Nachkommen von NS-Verfolgten“. In ihrer Ansprache bei der Feierstunde berichtete sie als Tochter eines zum Tode verurteilten – aber dem Henker entkommenen – Widerständlers von den großen Schwierigkeiten bei der „Spurensuche“ nach der Lebensgeschichte der Verfolgten, vom Weiterwirken der Verfolgungsgeschichte in den Familien und vom jahrzehntelangen Desinteresse der Öffentlichkeit.

Als Ehrengast eingeladen war auch Heinz Biack aus Salzburg, dessen Vater Karl Biack an seinem Arbeitsplatz im Traunsteiner Wirtschaftsamt verhaftet, u.a. wegen Abhörens von „Feindsendern“ vom Volksgerichtshof in Salzburg zum Tode verurteilt und im November 1944 in München-Stadelheim hingerichtet worden war.

Nun also informieren drei große Eisentafeln über die Geschichte der Haftanstalt und gehen auch ausführlich auf den Justizterror ein, der mit der Inhaftierung politischer Gegner*innen 1933 begann, sich schnell auf alle anderen Gruppen von Ausgegrenzten ausweitete und dann zielgerichtet zur Mordmaschinerie steigerte. Fast 1200 Menschen wurden hier vor allem während der Kriegszeit hingerichtet, darunter auch 75 Frauen. Viele „prominente“ Häftlinge waren dabei, so auch fünf Mitglieder der „Weißen Rose“. Etwa die Hälfte der in Stadelheim Ermordeten waren Ausländer*innen aus 19 Nationen, die wegen „Hochverrat“, „Sabotage“, „Heimtücke“ oder als „Volksschädling“ zum Tode verurteilt worden waren.

(Friedbert Mühldorfer)

Enthüllung der Gedenktafel, v.l.n.r.: Michael Stumpf, Heinz Biack, Heidi Delbeck, Georg Eisenreich

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